Energiedrachen

Mit fliegenden Windkraftanlagen lässt sich mehr Strom zu deutlich geringeren Kosten produzieren als mit den gigantischen Windkrafträdern. Selbst die Offshore-Windkraftanlagen könnten dadurch schon in kurzer Zeit ersetzt werden. Vorgestellt wurde diese neue Form der Stromerzeugung auf der 5. Airborne Wind Energy Conference in Berlin. Das Brandenburger Unternehmen Enerkite hat den Energiedrachen EK30 entwickelt und nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Aufgrund der großen Flughöhe kann im Vergleich zu Windkraftanlagen deutlich mehr Strom produziert werden. Dabei erzeugt das Fluggerät den Strom allein mit seiner Zugkraft. Geplant ist eine jährliche Stromproduktion von rund 5.000 Vollaststunden, demnach um einiges mehr als bei einer gewaltigen Offshore-Windkraftanlage.

Entwicklung parallel zur herkömmlichen Windkraftenergie

Obwohl die Energiedrachen bereits 2015 serienmäßig hergestellt werden sollen, zeigt die Windkraftenergie hierzulande noch kein besonderes Interesse. So haben die Entwickler kurzerhand einen eigenen Bundesverband Höhenwindenergie gegründet. Im Ausland hingegen sieht es deutlich anders aus. In den USA hat der Suchmaschinenanbieter Google vor kurzem den US-Flugwind-Entwickler Makani Power übernommen und dabei einen größeren Millionenbetrag auf den Tisch gelegt. Um das eigene Image zu verbessern, sollen die Rechenzentren und Serverparks künftig mit regenerativen Energien betrieben werden. Statt Energiedrachen setzt das US-Unternehmen auf Segelflugzeugen ähnliche Flugobjekte, die eine Spannweite von bis zu 65 Metern besitzen. Die Fluggeräte sorgen für eine Energieleistung von etwa 5 Megawatt, was einer Offshore-Windkraftanlage von 120 Metern Höhe entspricht.

Deutliche Einsparung von Materialkosten

Das Brandenburger Enerkite nutzt zur Stromerzeugung deutlich kleinere Anlagen, die sich auch problemlos in einem normalen Container oder LKW unterbringen und befördern lassen. Der große Vorteil dabei ist, dass die komplette Technik inklusive der Turbine am Boden bleiben kann. Per Computersteuerung werden die Drachen gestartet und bei Bedarf auch wieder eingeholt. Im Vergleich zu Windkraftanlagen werden hierfür nur 5 Prozent des Materials einer herkömmlichen Windkraftanlage benötigt. Das benutzte Konzept ist dabei ähnlich wie bei den in den USA verwendeten Segelflugzeugen. Es geht in erster Linie darum, die Windströmungen in 300 bis 600 Metern Höhe zur Energiegewinnung zu nutzen. Auf diese Weise kann ein deutlich höherer Stromertrag, als bei Windkrafträdern die maximal eine Höhe von 150 Metern erreichen, erzeugt werden.

Drachen gelten nicht als Fluggeräte

Nach Ansicht der Entwickler handelt es sich bei den Drachen aufgrund des geringen Gewichts nicht um Flugobjekte. Stattdessen wird dies nur als Hindernis eingestuft, weshalb man recht optimistisch ist, die erforderlichen Genehmigungen von der Luftfahrtbehörde zu erhalten. Bisher wurde die Entwicklung in erster Linie mit Förderungen vom Bund und vom Land Brandenburg finanziert. Nachdem die Prototypentwicklung 2014 abgeschlossen wird, soll das Produkt spätestens ab 2015 kommerziell vertrieben werden.

Ersatz für Offshore-Windkraftranlagen

Die Flugdrachen sind auch in der Lage über Wasser zu fliegen und könnten die Offshore-Windkraftanlagen deshalb auf Dauer ersetzen. Vorteil dabei ist, dass die Fluggeräte deutlich weiter auf die offene See hinaus kommen. Das Hamburger Unternehmen Skysails entwickelt derzeit die benötigten Bojen, an denen die Start- und Sendemasten der Fluggeräte angebracht werden können. Da es immer schwieriger wird Investoren für Offshore-Windkraftanlagen zu finden, gelten die günstigen Flugdrachen als eine willkommene Alternative. So könnte die Politik noch rechtzeitig die dringend benötigte zweite Investitionswelle erhalten.

2 Kommentare

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