Große Pläne: Kanaren-Insel El Hierro wird mit 100% Ökostrom zur grünen Insel

Rainer Sturm  / pixelio.de

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Etwas unscheinbar gelegen – ganz im Westen der Kanarischen Inseln: El Hierro. Als Touristenmagnet hat sich die Insel eher weniger einen Namen gemacht, dafür sind eher die anderen Eilande wie Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura bekannt. Wer sich allerdings mit der Zukunft der Energieversorgung beschäftigt, für den könnte die kleinste der Kanaren bald ein lohnendes Ausflugsziel werden. El Hierro plant seine Energiewende und möchte sich nämlich künftig komplett aus erneuerbaren Energien versorgen.

Mit Windkraft zur Energiewende

Fünf Windkrafträder sollen in den nächsten Tagen ans Netz gehen. Ein lohnenswertes Unterfangen, denn auf der Kanareninsel bläst der Wind mit durchschnittlich acht Metern pro Sekunde. Ideale Bedingungen also, die eine Leistung von bis zu 11,5 Megawatt verspricht. Gorona del Viento ist der Name der Anlage, die vom spanischen Energieversorger Endesa zusammen mit der Lokalregierung der Insel betrieben werden soll. Die Leistung soll sogar ausreichen, um ganz nebenbei noch die Wasserentsalzungsanlagen auf der Insel betreiben zu können.

Pumpspeicherwerk sorgt für unterbrechungsfreie Stromversorgung

Bei so viel Wind kann auch schnell zu viel Strom erzeugt werden. Auf der anderen Seiten sind auch auf der zugigen Insel El Hierro gelegentliche Flauten nicht auszuschließen. Um hier einen Ausgleich zu schaffen, wurde auch gleich noch ein Pumpspeicherwerk errichtet. Überschüssiger Strom wird dazu verwendet, Wasser in ein 700 Meter hoch gelegenes Becken zu pumpen, bei dem es sich übrigens – ganz landestypisch – um einen erloschenen Vulkan handelt. Fehlt einmal Strom wegen zu wenig Wind, rauscht das Wasser kontrolliert in die Tiefe, um dort Turbinen anzutreiben, die dann den nötigen Strom generieren.

Große Einsparungen erwartet

Zur finanziellen Seite: Auch hier geben die Kalkulationen Anlass zur Freude. Bislang wurde der Strom von Dieselgeneratoren erzeugt. Deren Durst bezifferte sich auf stolze 4 Millionen Liter Öl pro Jahr. Analog dazu die Kosten: 4 Millionen Euro. Die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung kostet die Betreiber aller Voraussicht nach rund 65 Millionen Euro. Angesichts der enormen Einsparungen sollen sich die Investitionen in etwa 15 Jahren amortisiert haben.

Auch Elektromobilität im Visier

Auf El Hierro macht man keine halben Sachen, denn auch im Bereich Mobilität soll sich noch einiges tun. Das ehrgeizige Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen alle der etwa 6.000 Fahrzeuge auf der Insel mit Elektroantrieb unterwegs sein. Die Bewohner wird es freuen, denn wenn der Windpark einmal komplett abbezahlt ist, fahren die Insulaner fast schon zum Nulltarif, da sich die Betriebs- und Wartungskosten des Windparks auf einem sehr niedrigen Niveau halten.

Gorona del Viento sorgt also mit einiger Berechtigung für viel Aufsehen im In- und Ausland. Regierungsvertreter und Experten aus verschiedenen Ländern haben sich bereits über das wegweisende Projekt informiert. Immerhin leben fast 600 Millionen Menschen weltweit auf Inseln. Und in vielen Fällen wird der Strom mittels Öl gewonnen. Da wirkt eine lokale wie unabhängige Stromversorgung, wie sie auf El Hierro gerade Gestalt annimmt, umso attraktiver.

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