Erfolgreiche Energiewende oder zerstörter Badesee?

Walchensee und Jochberg

Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Planungen zufolge soll am beliebten Walchensee in Oberbayern ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Doch die Bürger sind damit ganz und gar nicht einverstanden. Nun will sich Bayerns Energieministerin Ilse Aigner vor Ort selbst ein Bild machen.

Aigner plant den Walchensee zu besuchen, der in Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen liegt. Anschließend möchte sie an einer Diskussionsrunde teilnehmen, in der es um das umstrittene Projekt geht. Das wird für die Politikerin mit Sicherheit kein leichter Gang – viele Bürger sind nämlich gegen den Bau des Pumpspeicherkraftwerkes. Das rund 600 Millionen teure Wasserkraftwerk, das über einen 20 Hektar großen Speichersee verfügen würde, wird von Umweltschützern stark kritisiert und sorgt auch bei der Bevölkerung für Unzufriedenheit.

Bislang hat sich Aigner nicht festgelegt, ob sie die Pläne der Energieallianz Bayern (EAB) unterstützen wird. In einem Bericht ihres Ministeriums wurde jedoch geschrieben: „Naturschutzrelevante K.o.-Kriterien liegen nach aktuellen Informationen nicht vor“. Kraftwerksgegner deuten das bereits als eine Art indirekte Zustimmung für das Projekt. Obwohl Aigner die Bezirksvorsitzende Oberbayerns ihrer Partei ist, ist sie an die Aussage von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gebunden. Vor ca. einem Monat hatte Seehofer öffentlich verkündet, dass die Entscheidung über das Projekt nicht über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen werde. Immerhin würde der Speichersee mit einem Fassungsvermögen von rund drei Millionen Kubikmetern keinen Platz mehr für die beliebte Jocheralm lassen.

Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Landtags-Grünen, sagte, dass seine Partei durchaus einen Sinn für Pumpspeicherkraftwerke in Bayern erkenne. Allerdings fordern die Grünen von der Regierung, erst einmal ein Pumpspeicherkataster zu Planungszwecken einzurichten. Weiterhin beschuldigte er Seehofers Partei, die Angelegenheit taktisch zu verzögern. Auch die EAB, die ihre Pläne für das Wasserkraftwerk bereits im Sommer zur Seite gelegt hat, wartet auf eine Studie. Nach eigener Aussage möchte die EAB, dass sich die Regierung konkret zu dem Projekt äußert, bevor die beteiligten Städte und Unternehmen weiteres Geld dafür ausgeben.

Die Projektgegner in der Region haben ein Aktionsbündnis namens „KEIN PumpSpeicherWahnsinn“ gegründet. Menschen wie Albert Orterer möchten das Projekt nicht nur verhindern, sondern die Öffentlichkeit auch über die negativen Seiten von Pumpspeicherwerken aufklären. Die Sprecher der Bürgerinitiative sind der Meinung, dass die Energiewende beim Thema Pumpspeicherkraftwerke nur als Vorwand für Geschäftemacherei benutzt werde. Wer davon wirklich profitiert, seien die großen Stromkonzerne. „Wir wollen die Bürger darüber informieren, welch negative Auswirkungen das Pumpspeicherwerk Jochsee hätte“, schreiben Orterer und Fischer. „Aufgrund der ständigen Mischung von Wasser aus unterschiedlichen Tiefen sind auch die Temperaturen nicht mehr einheitlich. Sollte das Projekt umgesetzt werden, würde sich der Walchsee in Zukunft nicht mehr zum Schwimmen eignen.“

Pumpspeicherkraftwerke sind wie große Batterien: Bei Bedarf speisen sie Energie ein, bei Überschüssen nehmen sie Energie auf. Je nach Strombedarf, wird vorerst Wasser von einem tiefer liegenden See in den höher liegenden gepumpt. Wenn man Strom benötigt, wird das Wasser zurück in den unteren See geleitet und die gewünschte Energie durch Turbinen erzeugt.

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