China, der unbekannte Vorreiter beim Ökostrom

China hat im Laufe der letzten Jahrzehnte einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufstieg zuwege gebracht, der vor allem durch seine Industrie geprägt ist. Mit den Investitionen kamen aber auch deutlich wahrnehmbare Umweltbelastungen und ein nicht zu verachtender Energiehunger. Bilder, die ein beängstigendes Zeugnis vom Smog in den Großstädten der Volksrepublik ablegen, sind mittlerweile wohlbekannt. Auch das in China eine große Anzahl an Kernreaktoren gebaut wird, ist kein Geheimnis. Dass China aber auch eine Vorreiterrolle in Sachen erneuerbare Energien zugeschrieben werden kann, wissen hingegen nur die Wenigsten.

Auf nachhaltigem Wege zu mehr Energiesicherheit

Dass China auch im Bereich der erneuerbaren Energien für Superlative zu sorgen weiß, berichten in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature die Forscher John Mathews und Hao Tan. Demnach stelle China derzeit so viel Strom mittels Sonne, Wind- und Wasserkraft her wie alle deutschen und französischen Kernkraftwerke zusammen. Zudem habe sich allein die Solarzellenproduktion im Jahr 2005 verhundertfacht. Andere Länder könnten sich an China orientieren und daran ein Beispiel nehmen. Der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien sei aber nicht nur im Hinblick auf den Klimawandel eine gute Sache. Nach Ansicht der beiden Forscher sei er auch ein Beitrag zu einer höheren Energiesicherheit. Schließlich sei das Angebot an Kohle, Öl und Gas begrenzt und immer wieder von geopolitischen Spannungen betroffen.

China überholt Deutschland und USA beim Ökostrom

Mit Blick auf die absoluten Zahlen stelle China mittlerweile mehr Ökostrom her als alle anderen Länder. Insgesamt habe sich die Produktion im vergangenen Jahr auf 378 Gigawatt belaufen, was mehr als dem Doppelten der Vereinigten Staaten (172 GW) und mehr als dem Vierfachen Deutschlands (82 GW) entspräche. So kamen in der Volksrepublik im vergangenen Jahr rund 30 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, wodurch das Land nun dem Ökostrom-Vorreiter Deutschland auf Augenhöhe begegnet.

Wachstumskurs wird fortgesetzt

Aber damit soll es noch nicht genug sein, China verfolgt ehrgeizige Ziele. Die Kapazität der erneuerbaren Energien soll bis zum Jahr 2017 auf 550 Gigawatt anwachsen, was gemessen an der derzeitigen Kapazität einen Anstieg um fast 50 Prozent ausmachen würde. Wasserkraft spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, denn sie bildet mit zwei Dritteln den größten Anteil am chinesischen Ökostrom. Die Staudämme sind zwar an sich klimafreundlich, deren Errichtung geht jedoch dafür mit anderen Umweltproblemen einher.

Auch auf der finanziellen Seite zeigt die Volksrepublik, dass sie es ernst meint. Von den Investitionen her konnte man die USA bereits im Jahr 2012 überholen. 30 Milliarden Dollar flossen allein in die Solarenergie. Das entspricht nebenbei bemerkt rund einem Viertel der weltweiten Aufwendungen für diese Technik. Diese Zahlen können nur noch von den Investitionen in Windenergie übertroffen werden, denn hier waren es rund ein Drittel aller Aufwendungen weltweit.

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