Italiener wollen Geothermie Kraftwerk in Deutschland bauen

Geothermie - verlässlich und nachhaltig

Photo © Fabien Agon @ flickr.com

Geothermie hat Potenzial. Die Nutzung von Erdwärme ist in Italien schon deutlich weiter vorangeschritten als hierzulande. Die Vorteile sprechen für sich: Geothermie ist grundlastfähig, denn anders als Windkraft und Photovoltaik arbeiten Erdwärmekraftwerke wetterunabhängig und unterbrechungsfrei. Das sorgt für mehr Stabilität in den Stromnetzen. Grund genug also für den italienischen Energieversorger Enel, jetzt auch in Deutschland aktiv zu werden.

Die Toskana: Olivenöl, Wein und Geothermie

Rund ein Drittel der Energie, die in der Toskana verbraucht wird, entsteht unter der Toskana. Geothermie ist hier ein heißes Thema – und das nicht erst seit gestern. Dreh- und Angelpunkt ist das kleine Dörfchen Larderello, das sich jedoch mit einigem Recht als Hauptstadt der Geothermie bezeichnen darf. Vor 110 Jahren hatte Prinz Piero Ginori Conti hier erstmals ein Experiment durchgeführt, mit dem er bewies, dass sich mit der unter der Erde gespeicherten Energie tatsächlich etwas anfangen ließ. Der erste Versuch reichte aus, um fünf Glühbirnen zum Leuchten zu bringen und damit den Anfang der Geothermie zu markieren.

Seitdem hat sich die Toskana zu einer Hochburg der Geothermie entwickelt. Derzeit betreibt der Energieversorger und Erdwärmepionier Enel hier 37 Kraftwerke, mit denen fast ein Drittel des Stromverbrauchs in der Toskana abgedeckt wird. Davon profitieren auch die Bürger: allein in der Gemeinde Pomarance, in der sich auch Larderello befindet, sind die Energiekosten um 30 Prozent gesunken.

Enel bohrt künftig auch in Deutschland

Als Hauptstadt der Geothermie hat sich das Örtchen zu einem Besuchermagneten für Wissenschaftler aus aller Welt entwickelt. Auch aus Deutschland erwartet man hier demnächst Besuch. Enel plant derzeit, die Mehrheit an der Gesellschaft Erdwärme Oberland GmbH über die Tochterfirma Enel Green Power zu erwerben. Deren Plan ist es, bei Weilheim in der Nähe von München das bislang größte Erdwärmekraftwerk Deutschlands zu errichten.

Der Bohrbeginn ist für diesen Sommer vorgesehen, der Kraftwerksbau soll dann im Herbst 2017 beginnen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2018 vorgesehen. Bis zu sechs Bohrungen sollen bis dahin vorgenommen werden. Ist das Kraftwerk mit seiner geplanten Leistung von 26 Megawatt fertig, soll es pro Jahr bis zu 210 Millionen Kilowattstunden an Strom erzeugen können, was dem Bedarf von rund 60.000 Haushalten entspricht. Die Kapazitäten für Strom aus Geothermie werden sich durch das Projekt in Weinheim von aktuell 32 Megawatt also fast verdoppeln.

Mehr Schwung für Geothermie in Deutschland

Durch die Initiative der Italiener könnte der Geothermie in Deutschland zu mehr Schwung verholfen werden. Derzeit fristet diese Art der Energiegewinnung hinter Windkraft und Solarenergie nämlich eher ein Nischendasein im Energiemix. Nur 0,02 Prozent macht Geothermie hierzulande bislang aus, während es in Italien schon 2 Prozent sind. Der Grund: Geothermie-Projekte benötigen wegen der jahrelangen Planungs- und Genehmigungsphase einen relativ langen Vorlauf.

Darüber hinaus braucht es große, finanzstarke Investoren, da der Großteil der Kosten vorab anfällt. Geerntet wird hinterher, wodurch Zeiträume entstehen, die finanziell erst einmal überbrückt werden wollen. So kommt es, dass es in Deutschland bis zum heutigen Tag auch nur zehn geothermische Kraftwerke gibt, in denen elektrischer Strom produziert wird.

Auch auf der Seite der Bevölkerung ist man gegenüber der Geothermie nicht ohne Vorbehalte. So sorgt man sich darüber, dass durch die Bohrungen Erdbeben ausgelöst werden könnten. Eine Sorge, die nicht ganz unbegründet ist, da bei einzelnen Projekten bereits seismische Reaktionen festgestellt werden konnten. Gründe hierfür waren zu hoher Wasserdruck oder nicht eingehaltene Mindestabstände. Einer Studie des Bundesamtes für Geowissenschaften soll sich das Erdbebenrisiko durch Tiefen-Geothermie jedoch nicht nennenswert erhöhen.

Erdwärme kann jedoch nicht überall genutzt werden. Die Erschließung ist davon abhängig, in welcher Tiefe sich genug Wärme befindet. Die Toskana bietet dahin gehend beste Bedingungen, denn hier findet sich viel Energie in Form von heißem Wasser vergleichsweise nahe an der Erdoberfläche. In Deutschland eignen sich drei Regionen für Geothermie: das Norddeutsche Becken, das Molassebecken um München und der relativ schmale, bis nach Frankfurt reichende Oberrheingraben .

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