Die vier wichtigsten Fragen zum Thema „Elektromobilität“

Wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht, sollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Um dieses Ziel zu verwirklichen, hat die Politik die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) gegründet. Die NPE hat die Aufgabe, alle Akteure der Elektromobilität zu vernetzen und Lösungen in verschiedenen Bereichen zu erarbeiten. Zu den wichtigsten Themengebieten gehören: Normung, Batterietechnik, Antriebstechnologie, Materialien und Recycling, Nachwuchs und Qualifizierung, Ladeinfrastruktur und Netzintegration sowie politische Rahmenbedingungen.

Mit den Ergebnissen, die in den verschiedenen Gruppen erarbeitet werden, berät die NPE die Bundesregierung. Henning Kagermann, Chef der NPE, gilt somit als der oberste Experte in Sachen Stromerfragen. Vor kurzem gab Kagermann dem Branchendienst ElectriveNet ein Interview, in dem er unter anderem folgende Fragen über die E-Auto-Entwicklung in Deutschland beantwortete.

Wo steht die Elektromobilität im Jahr 2013?

Auf diese Frage hatte Kagermann eine positive Antwort: Es gebe bereits ca. 100 Konsortien in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Außerdem werden unter anderem Industrie-Arbeitskreise gebildet, Weiterqualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter organisiert und Masterstudiengänge an Universitäten angeboten. Und auch Standardisierung und Normung sind dank der sogenannten Normungsroadmap 2.0 bereits sehr weit fortgeschritten.

Sind eine Million E-Autos bis 2020 ein realistisches Ziel? 

Laut Kagermann müssen wir uns das Ziel setzen, Leitmarkt und Leitanbieter zu werden. Die Zahl von einer Million sei dabei nur ein Weg, um das komplizierte Thema des Leitmarktes quantitativ zu bestimmen. Unrealistisch sei diese Zahl jedoch nicht: Andere Länder haben sich weitaus höhere Zahlen zum Ziel gesetzt, allen voran China mit zehn Millionen E-Autos. Im Grunde genommen sei es entscheidend, dass Deutschland bis 2020 zum Exportweltmeister wird und sich die Elektromobilität stärker etabliert.

Wie gut sind die EU-Pläne für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur? 

Kagermann ist von den Plänen der EU, eine verbindliche Anzahl von Ladestationen zu errichten, nicht begeistert. Er ist der Meinung, dass Investitionen mit Vorsicht und Achtsamkeit getätigt werden sollten. Aus diesem Grund fordert er, erst einmal die Erkenntnisse aus den vier deutschen „Schaufenster-Gebieten“ abzuwarten, bevor man sich auf verbindliche Verträge einlässt. Den EU-Plänen zufolge sollen bis 2020 allein in Deutschland ca. 150.000 öffentliche Ladestationen errichtet werden – momentan sind es rund 2.000. In Frankreich würde die Anzahl der Ladestationen 97.000 betragen, in Italien hingegen 125.000. Somit hätten Besitzer von E-Autos die Möglichkeit, ihr Fahrzeug in verschiedenen Ländern Europas am Stromnetz aufzuladen.

Haben Kaufprämien eine positive Auswirkung? 

Grundsätzlich ist Kagermann der Meinung, dass Kaufprämien nicht der optimale Weg zur Förderung der Elektromobilität seien. Er findet, dass das Geld lieber in Entwicklung, Forschung und Ausbildung investiert werden sollte. Konsum zu subventionieren sei nämlich nicht die Lösung, die langfristig den größten Erfolg verspricht. Allerdings ist er nicht völlig gegen Vergünstigungen: Vor allem in der Anfangsphase könnte es sinnvoll sein, einzelne Fördermaßnahmen (z.B. degressive Abschreibung) zu ergreifen.

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