Elektromobilität mit Startschwierigkeiten

Quelle: Audi

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Elektromobilität in Deutschland weiterhin im unteren Drehzahlbereich

2015 – die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) geht in ihr fünftes Jahr. Das Beratungsgremium mit hochrangigen Vertretern aus Industrie, Politik, Wissenschaft und Verbänden hat es sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum Leitmarkt der Elektromobilität zu machen. Noch ist nicht viel davon zu sehen. Kritische Stimmen sprechen bereits von einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Automobilindustrie. Was ist geschehen? Oder besser gefragt: Was sollte eigentlich geschehen?

Geräuschloses Fahren bei geräuscharmer Entwicklung

Die aktuellen Zulassungszahlen von Elektroautos in Deutschland lassen noch nicht viel vom avisierten Leitmarkt verspüren. Gerade mal 24.000 der sogenannten Plug-In-Autos kurven nahezu geräuschlos auf Deutschlands Straßen. Eine Million soll es bis zum Jahr 2020 werden, wenn es nach den Wünschen von Politik und Autoherstellern geht. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen liegt dieses Ziel aber noch in weiter Ferne. Und das, obwohl es mittlerweile eine gewisse Auswahl an Elektroautos aus deutscher Produktion gibt.

Ob Audi A3 E-tron, BMW i3, E-Golf oder E-Smart: die Alternativen sind vorhanden. Doch das scheint die deutschen Autofahrer derzeit noch herzlich wenig zu interessieren. Und wer dennoch den Schritt in die Elektromobilität wagen möchte, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Denn trotz der niedrigen Verkaufszahlen müssen hier mehr als 6 Monate in Kauf genommen werden. Da fragt man sich nicht zu Unrecht, wo die zig Millionen an Fördergeldern eigentlich abgeblieben sind, die in sogenannte Schaufenster investiert wurden. Aktuell konzentriert sich die Forschung in Deutschland auf eine neue Batteriegeneration, nachdem der Kampf um die beste Batterietechnologie von den Asiaten gewonnen wurde. Wann diese neue Generation kommt, ist indes noch ungewiss.

Das Privileg, elektrisch unterwegs zu sein

Und das alles, obwohl es ein echtes Privileg ist, mit einem Elektroauto zu fahren. Hier vereinen sich höchste Ingenieurskunst und der Luxus, der mit dem Neuen und Besseren im Vergleich zu herkömmlichen Automobilen einhergeht. Dem Fahrer vermittelt sich schnell der Eindruck, geradewegs in die Zukunft zu steuern, wenn sich sein Gefährt geräuschlos und ohne Abgase in Bewegung setzt. Ein Erlebnis der ganz besonderen und vor allem ganz ökologischen Art.

Gleiches gilt für die sogenannten Plug-In-Hybriden. Der Porsche Panamera mit stolzen 400 PS kommt bei einer sparsamen Fahrweise auf gerade mal sechs Liter Benzin je 100 Kilometer. Beim Opel Ampera sinkt dieser Wert auf unter zwei Liter. Der BMW i3 hingegen kommt ohne fossilen Brennstoff aus. Die Technik ist vorhanden und einsatzbereit. Es ist nur noch eine Frage dessen, ob man sie sich leisten will. Das Budget sollte schon vorhanden sein, denn neben dem Elektroauto braucht es noch einen Stellplatz mit zugehöriger Ladestation.

Überschätzt: Die Rolle des Preise

Das Problem der deutschen Hersteller: Sie schaffen es einfach noch nicht, das Premiumpotenzial der Elektromobilität in Absatz zu verwandeln. Marktstudien haben bereits gezeigt, dass das Potenzial für jährlich 150.000 Plug-In-Automobile vorhanden ist. Doch die Realität sieht anders aus, denn nur eine kleine Gruppe von Enthusiasten wagt den Schritt zur emissionsarmen Mobilität. Spielt der Preis vielleicht doch eine größere Rolle als angenommen?

An den Preisen wird sich so schnell kaum etwas ändern, zumindest nicht in Relation zu konventionellen Automobilen. Elektroautos bleiben vorerst teurer. Auch Prämien werden daran wenig ändern können. Kunden müssen kaufen, weil sie von der Technik und ihrer Möglichkeiten begeistert sein und nicht allein wegen des Preises. Deswegen muss die Elektromobilität als Premiumprodukt auch überzeugen können. Viele Innovationen werden noch nötig sein, damit sich aus ihr irgendwann mal ein Massenphänomen entwickelt. Ein gutes Beispiel für eine solche Entwicklung liefert der SUV. Diese Fahrzeuge werden sogar noch trotz zünftiger Aufpreise gekauft, aber in den meisten Fällen nie im Gelände eingesetzt. Da fragt man sich nicht zu Unrecht, ob das denn nicht auch mit Elektroautos funktionieren könnte.

Der Weg zur richtigen Vermarktung

Vielleicht liegt das Geheimnis einer erfolgreichen Absatzförderung in Deutschland in einer Mischung aus Privilegien und Premiumvermarktung. Auf diese Weise könnte es möglich sein, die Autofahrer aus ihrer Komfortzone zu locken und ihnen die Innovation schmackhaft zu machen. Eine Vorlage für dieses Vorgehen liefert die Marketingkampagne zum Golf GTE mit ihrem „neuen schnell“. Die Botschaft dahinter: Fahrspaß ist auch noch mit einem Durchschnittsverbrauch von nur 1,5 Litern möglich.

Außerhalb Deutschlands greifen viele Staaten auf andere Methoden zurück, um die Elektromobilität voranzubringen. Da tauchen Subventionen auf der einen und drastische Verteuerungen von Diesel- und Benzinantrieben auf der anderen Seite auf. Zwei Instrumente, die sich in Deutschland nur in sehr begrenztem Maße einsetzen lassen. Der breiten Masse lässt es sich nur schwer vermitteln, warum Premiumprodukte, die für die meisten unerschwinglich sind, einer Subventionierung bedürfen. Zudem werden sich Forderungen nach einem höheren Benzin- oder Dieselpreis auf politischer Ebene kaum durchsetzen lassen. Zumindest nicht ohne gravierende Folgen im Hinblick auf das Wählerverhalten.

Das Bild muss sich wandeln

Die Diskussion sollte sich nicht allein auf den ökonomischen Aspekt beschränken. Ein Blick auf den Markt der USA zeigt beispielsweise, dass der Preis oftmals nicht das wichtigste Argument für oder gegen einen Kauf darstellt. Vielmehr spielt eine ganze Palette an Faktoren wie zum Beispiel Umwelt, Technologie und Patriotismus eine Rolle. Faktoren wie diese machen in Verbindung mit echten Privilegien übrigens auch den Erfolg des Tesla S aus.

Das Bild der Besitzer von Elektroautos in Deutschland muss sich wandeln. Sie müssen als Vorbilder und Innovatoren gelten und der Staat muss ihnen dabei behilflich sein. Das funktioniert aber nicht mit einfachen Prämien, sondern viel eher mit intelligenten Privilegien. Steuerermäßigungen, Sonderparkplätze in den eng gewordenen Innenstädten und eine flächendeckende Infrastruktur mit Schnellladestationen können die Ideen sein, auf die der potenzielle Käufer wartet. Am Anfang mögen Ideen wie diese nur einer kleinen Gruppe dienen. Im Laufe der Zeit werden die aber der Allgemeinheit helfen. Die kleine Gruppe dient dabei als Wegbereiter für die Zukunft der Elektromobilität.

Deutschland braucht Kampagne 2.0

Die Elektromobilität ist derzeit die einzige vernünftige Alternative für den Individualverkehr der Zukunft. Wollen die deutschen Autokonzerne an der Spitze der Branche bleiben, müssen sie die Elektromobilität entsprechend nach vorne bringen. Stagniert die Nachfrage hierzulande jedoch weiterhin, so ist diese Position gefährdet. Was Deutschland jetzt braucht, ist eine Kampagne 2.0, die dazu in der Lage ist, deutsche Autofahrer vom E-Auto zu überzeugen, sie zum Kauf zu motivieren und sie vom ökonomisch-rationalen Kaufentscheid wegzuführen.

Elektromobilität darf darin nicht den Eindruck erwecken, eine Bürde der Veränderung zu sein. Vielmehr soll Elektromobilität etwas sein, das sich die Menschen leisten wollen, weil es einfach Spaß macht. Es muss schlicht und ergreifend schick und angesagt werden, auf Elektromobilität umzusatteln. Das Potenzial zum Umdenken ist vorhanden – und es ist gewaltig.

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