Demnächst an jeder Ampel? Induktives Nachladen ohne Stecker und Kabel!

Pressetermin zur Vorstellung der Induktionsladesäule bei Airbus.

Pressetermin zur Vorstellung der Induktionsladesäule
bei Airbus.

Eine Rotphase an der Ampel: Es wird im Handschuhfach gewühlt, eine CD gewechselt, eine Zigarette angezündet oder der Wagen aufgeladen. Der Wagen aufgeladen? Wenn man den Optimismus von Siri Karabag teilt, einem Hamburger Unternehmer und Spezialisten für Elektromobilität, dann sollte dies für Elektrofahrzeuge schon bald möglich sein. Ein Zwischenschritt dorthin wurde bereits auf dem Airbus-Gelände in Hamburg umgesetzt, denn dort werden Elektromobile auf induktivem Wege aufgeladen – ganz ohne Kabel und Stecker.

Airbus lädt seine Fahrzeuge bereits induktiv

Doris Zcernikow ist Leiterin der Abteilung Personentransporte bei Airbus. Sie beschreibt es noch als anfangs etwas ungewohnt, mit dem Elektrowagen gegen die Ladevorrichtung zu fahren. Der Ladevorgang erfolgt dann über das Nummernschild. Zumindest sieht es von außen so aus. Sie zeigt sich aber zufrieden mit der Technik. Einfach ranfahren, Knopf drücken und dann anhand der Anzeige auf der Ladesäule feststellen, wie lange der Ladevorgang noch dauern wird. Immerhin 29 Elektrofahrzeuge sind auf dem riesigen Werksgelände des Flugzeugbauers bereits unterwegs. Und die fahren nicht nur vor Ort ihre Touren, sondern werden auch für Fahrten zu den Standorten Stade und Buxtehude eingesetzt.

Erneut Pionierarbeit aus dem Hause Karabag

Siri Karabag betont, dass sich der Ladevorgang auf diesem Wege sehr vereinfachen lässt, ganz ohne Kabel, Stecker und sich in irgendeiner Weise die Hände schmutzig zu machen. Der Hamburger Autohändler ist kein Unbekannter auf dem Gebiet der Elektromobilität. Seine Umbauten diverser Fahrzeuge – auch Oldtimer – zu Elektrofahrzeugen haben es schon mehrfach in die Schlagzeilen geschafft. Dabei betritt Karabag nur zu gerne immer wieder neues Terrain mit neuen Herausforderungen. Und zu seinen Pionierleistungen gehört nun auch die erste kabellose Ladesäule für Elektroautos. Ausgangspunkt war die Frage, was Autofahrer am meisten nervt. Sowohl Karabag selbst als auch die Spezialisten aus der Stromtechnologie, die an der Verwirklichung des Vorhabens beteiligt sind, kamen zu demselben Schluss: das Tanken.

Kabelloses Laden hat sich bereits bewährt

Tanken nervt sowohl die Fahrer von herkömmlichen Fahrzeugen als auch jene von Elektroautos. Das Hantieren mit diversen Kabeln und Steckern macht die Sache Karabags Ansicht nach nur unnötig kompliziert. Bei Nässe können mit dem Ladevorgang auch Ängste verbunden sein, denn mit dem Ladevorgang wird auch eine Starkstromverbindung geschlossen. Die Idee einer kabellosen Verbindung kam Karabag angeblich beim Zähneputzen. Auch eine Elektrozahnbürste lässt sich völlig sicher induktiv laden, warum soll das nicht auch bei Elektrofahrzeugen möglich sein? Und so war eine neue Herausforderung gefunden. Und die mag der Autohändler ganz besonders gern.

Jedoch teilten zu Beginn nicht alle kontaktierten Unternehmen seine Begeisterung für das kabellose Laden. Mit den Unternehmen Paul Vahle und Finepower konnten dann aber zwei Partner gewonnen werden, mit deren Hilfe das Projekt Marktreife erlangte. Die erste Ladesäule wurde dann vor einigen Monaten an Airbus in Finkenwerder verkauft. Und mit berechtigtem Stolz lässt Karabag wissen, dass sie dort seit Monaten ohne Pannen im Dauereinsatz ist.

Noch ist die Ladestation nicht in Serie gegangen, weswegen der Preis noch etwas hoch erscheint. Zusammen mit der  WEMAG AG gibt es das Paket aus Ladestation und Umrüstung für ein Fahrzeug für 8.790 Euro. Allein die Säule kostet derzeit rund 5.000 Euro. Es ist aber damit zu rechnen, dass sich der Preis im Zuge der Serienproduktion auf 2.000 Euro reduziert. Prinzipiell lässt sich jedes Elektrofahrzeug durch das Anbringen einer Ladeplatte hinter dem Nummernschild umrüsten, damit ein kabelloses Nachladen möglich wird.

Breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten

Karabag sieht hinter dieser Entwicklung bereits die Tankstelle der Zukunft. Zum Einsatz könnte die beispielsweise auch beim Carsharing kommen. Durch die Vereinfachung des Ladevorgangs verspricht er sich eine höhere Akzeptanz dieses Konzeptes. Aber auch die Parkplätze von Supermärkten könnten zu Tankstellen für Elektroautos umgerüstet werden. Das würde dem Marketing gleich ganz neue Möglichkeiten einräumen um beispielsweise Kunden kostenloses Aufladen während ihres Einkaufs anzubieten. Und auch die Idee, den Ladevorgang über Bodenplatten durchzuführen, wäre dann schon deutlich näher gerückt. An Ampelkreuzungen könnten Elektrofahrzeuge Strom nachtanken. Rein aus technischer Sicht wäre das sogar schon heute möglich. Die Behörden sind allerdings noch zu sehr mit der möglichen Ausbreitung des Magnetfeldes beschäftigt, zumal der Abstand hier größer ist als bei einer Ladesäule.

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