Charge Lounge und SLAM: Mehr Ladestationen für Deutschlands Straßen

Die Verkaufszahlen bei den Elektroautos steigen weiter an. Allein im vergangenen März kamen 823 neue Stromer auf die Straße – nach dem Oktober 2013 der zweitbeste Monat überhaupt. Dadurch rückt aber auch verstärkt das Thema Ladeinfrastruktur in den Fokus. Der amerikanische Hersteller Tesla hat mit seinen Supercharger-Stationen entlang Deutschlands Autobahnen bereits vorgelegt. Dennoch gibt es im Moment noch zu wenige öffentliche Ladestationen. Aber man ist hierzulande nicht untätig. Und so wurden zwei neue Großprojekte in die Wege geleitet, mit denen sich die Anzahl der Ladesäulen deutlich erhöhen soll. Diese Projekte, die beide auf der Hannover Messe erstmalig vorgestellt wurden, kommen zum einen vom Fraunhofer Institut und zum anderen von einer Allianz, die sich aus Wirtschaftsunternehmen, Politik und Autoherstellern zusammensetzt. 

Tankstelle 2.0: Die Charge Lounges

Mit den Charge Lounges entwickelt das Fraunhofer Institut zusammen mit dem Verkehrsleisystemhersteller Swarco eine neue Generation an Zapfsäulen. Diese Schnellladestationen bieten Anschlüsse für drei Elektrofahrzeuge. Die Ladezeit liegt knapp unter einer halben Stunde. Zum Einsatz kommen dabei alle drei gängigen Stecker bzw. Ladetechnologien. Es stehen also CCS-Stecker (BMW i3 und VW e-up), CHAdeMO (Fahrzeuge aus Japan) und der sogenannte Typ-2-Stecker zur Verfügung. Letzterer soll einmal EU-Standard werden und passt bereits in den Renault ZOE.

Laut Spiegel-Online bezeichnet das Fraunhofer Institut die Charge Lounges als deutsche Antwort auf die Erfolgsgeschichte von Tesla. Der Unterschied soll aber künftig darin liegen, dass kein E-Autofahrer vom Ladesystem ausgegrenzt wird. Die ersten Charge Lounges sollen entlang der A8 auf der Strecke Frankfurt – Stuttgart – München entstehen. Darüber hinaus werden auch auf der Strecke München – Nürnberg entlang der A9 Ladestationen aufgestellt. Insgesamt 30 Einheiten sind derzeit für die beiden Abschnitte geplant, 70 weitere sollen bis zum Jahr 2016 folgen.

Modularer Aufbau

Der Transport gestaltet sich recht einfach, denn die einzelnen Module der Ladestation haben in etwa die Abmessungen eines ISO-Containers und können daher leicht per LKW an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Zusätzlich zum eigentlichen Lademodul mit Zapfsäulen und Aufenthaltsraum können die Charge Lounges mit zusätzlichen Modulen ausgestattet werden. Dazu zählen beispielsweise sanitäre Einrichtungen und Besprechungsräume. Darüber hinaus können die einzelnen Module auch mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet werden. In solchen Fällen bietet sich dann auch die geplante bidirektionale Batterie an, mit welcher überschüssiger Strom von der Ladestation in das örtliche Stromnetz eingespeist werden soll.

Die Wartezeit soll den E-Autofahrern einmal mittels Kaffee und Internet verkürzt werden. Für einen Pauschalpreis von 10 Euro gibt es dann also eine Aufladung, Kaffee und WLAN. Geschäftsreisende und Vielfahrer sollen die Möglichkeit erhalten, für monatlich 80 Euro eine Flatrate zu buchen. Die Bezahlung vor Ort soll mit EC- und Kreditkarten vorgenommen werden können.

SLAM

SLAM steht für „Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“ und ist das zweite Projekt, welches auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Verantwortlich hierfür zeigen sich die Automobilhersteller BMW, Daimler, Porsche und VW zusammen mit dem Energieversorger EnBW. Ziel ist die Errichtung von 400 Schnellladesäulen in ganz Deutschland bis zum Jahr 2017. Die Bezahlung erfolgt mittels Karte, App und per SMS. Noch stehen allerdings keine Tarife fest. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die ersten 20 Stationen noch in diesem Sommer eröffnet werden. Gegenüber der Charge Lounge werden die Ladesäulen zunächst nur mit CCS-Stecker und dem Typ-2-Stecker ausgestattet sein. Die japanische CHAdeMO-Variante soll sich aber im Nachhinein noch nachrüsten lassen.

Beiden Projekten ist gemein, dass an ihren Säulen überwiegend sauberer Ökostrom Verwendung finden soll. Die Maßnahmen kommen jedoch laut Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität, sehr spät. Erst durch die Aktivitäten des Herstellers Tesla sei Schwung in die Sache gekommen, so Sigl.

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